Stillen auf Reise – meine schlimmsten und schönsten Stillerlebnisse

Stillen auf Reise

Stillen auf Reise ist einfach perfekt. Das muss ich direkt am Anfang einmal festhalten. Wer stillt hat die Verpflegung des Babys immer dabei und sofort verzehrbereit. Die Suche nach geeigneter Babynahrung sowie Möglichkeiten zum Aufwärmen entfällt, was unterwegs wirklich von großem Vorteil ist. Wenn es also um die Frage geht, ob man auf Reisen stillen sollte, dann gibt es darauf nur ein eindeutiges „Ja!“ als Antwort.

Im Ausland ist das mit dem Stillen aus Reise aber nicht immer ganz so einfach. Während man in Deutschland im Prinzip überall stillen kann und beispielsweise stillende Frauen im Café nichts Außergewöhnliches sind, ist das in anderen Ländern nicht unbedingt so.

Daher mein erster Tipp zum Stillen auf Reise: vorher informieren wie das im Urlaubsland gehandhabt wird.

Stillen in den USA

Bei mir war klar, dass ich während unseres achtwöchigen Roadtrips durch den Südwesten der USA noch viel stillen würde. Und auch ohne große Recherche wusste ich schnell, dass das Stillen in den USA ist ein schwieriges Thema ist. Zwar werden auch über dem großen Teich die Vorteile des Stillens wieder mehr in den Fokus gerückt, stillende Frauen sind in der Öffentlichkeit aber doch eher selten zu sehen. Und immer wieder liest man selbst in deutschen Medien von Situationen, in denen amerikanische Frauen fürs Stillen in Restaurants oder Einkaufszentren beschimpft werden. Es wird ihnen gesagt, dass sie auf der Toilette stillen sollen oder sie werden der Lokalitäten direkt verwiesen.

Stillen in den USA

Ich hatte keine Lust auf solche Erlebnisse und wollte mit dem Stillen in den USA niemand provozieren. Also recherchierte ich schon vorab, wo man in den von uns besuchten Städten am besten Stillen kann. Leider fand ich dazu kaum Informationen. Immer wieder stieß ich auf einige wenige Shopping-Center, in denen es spezielle Still-Räume gibt. Da aber gerade Los Angeles, San Francisco und Las Vegas so groß sind, dass man nicht mal kurz in eines der erwähnten Gebäude kommt, war die Recherche sehr ernüchternd.
Dafür las ich häufig den Hinweis, dass man am besten dafür sorgt, das Baby möglichst im eigenen Auto zu stillen. Das habe ich später auch oft getan. So lange man keinen Mietwagen hat, ist das aber schwer. Deshalb werde ich Euch in den nächsten Wochen wann immer ich hier über eine Stadt oder einen Ort berichte auch einfügen, wenn es dort eine geeignete Möglichkeit zum Wickeln und/ oder Stillen gibt. Aktuell findet ihr schon Infos zu Santa Monica mit Baby.

Mein schlimmstes Stillerlebnis auf Reise

Mein schlimmstes Stillerlebnis

Los ging unser USA Roadtrip in Los Angeles. Die ersten zwei Tage dort hatten wir noch keinen Mietwagen und fuhren daher mit der Straßenbahn nach Downtown. Kaum angekommen hatte das Baby Hunger. Wir waren im Bahnhofsgebäude der Union Station und ich fand keinen geeigneten Platz zum Stillen. Am ehesten hätte sich noch der schöne, aber auch sehr offene Wartebereich angeboten. Aber ich traute mich nicht, dort vor allen Augen zu stillen – auch wenn man natürlich nichts gesehen hätte, da ich eh immer ein Mulltuch als zusätzlichen Sichtschutz nutze. Dem Baby war das alles egal. Es wurde immer ungehaltener und so ging ich mit ihm kurzerhand auf die Bahnhofstoilette.

Diese war zum Glück recht sauber. Das war es dann aber auch schon mit den Annehmlichkeiten. Ich quetschte mich in eine der freien Kabinen und legte das Baby im Stehen an – immer darauf bedacht, dass keiner von uns beiden irgendetwas berührt. Das war nicht nur ganz schön unbequem und anstrengend. Hinzu kam, dass es – obwohl draußen ein richtig warmer Tag war – extrem kalt zog. Und nicht zuletzt machten die sekündlich immer wieder anspringenden Handtrockner einen solchen Lärm, dass man sein eigenes Wort nicht hätte verstehen können.

Was mich wirklich überraschte war, dass all diese Unannehmlichkeiten das Baby nicht weiter störten. Ich rechnete eigentlich damit, dass es irritiert die Brust verweigert, aber es trank in aller Seelenruhe. Ich dafür war ganz schön fertig mit den Nerven, als wir die Toilette wieder verließen.

Stillen auf Reise

Nach diesem schrecklichen Erlebnis gab es auf unserer USA Reise noch ein, zwei weitere Situationen, in denen das Stillen in furchtbaren Umgebungen stattfand und für mich (und sicherlich auch das Baby) ziemlich unangenehm war. Danach wurde es aber deutlich besser. Das lag vor allem daran, dass wir die meiste Zeit einen Mietwagen hatten und man im Auto (notfalls mit Tüchern vor den Fenstern) eigentlich immer entspannt stillen kann. Außerdem waren wir viel in Nationalparks und der Natur unterwegs. Anders als in den großen Städten findet sich dort meistens leicht ein schönes, ruhiges Plätzchen, an dem man nicht gestört wird.

Stillen im Urlaub

Und nicht zuletzt wurde ich mit der Zeit auch deutlich entspannter, was das Stillen auf Reise in den USA angeht. Dazu trugen vor allem Erlebnisse wie die folgenden bei: Frauen, die in Nationalparks und Strandnähe ihre (gemachten) Brüste so zur Schau stellten, dass der spärliche Stoff darüber eigentlich mehr die Vorzüge noch betonte als irgendetwas verdeckte. Außerdem erlebten wir eine wirklich peinliche Situation, bei der eine Frau in der Nähe der Golden Gate Bridge ohne Sichtschutz direkt neben den strak frequentierten Spazierweg pinkelte („sorry, ich musste so dringend“ – ist klar, dass man es da bis zum 150 Meter entfernten Klohäuschen nicht mehr schafft).

Da diese Situationen scheinbar keine Sittenwächter auf den Plan riefen, entschied ich mich, dass dann auch das Stillen in der Öffentlichkeit nicht so schlimm sein kann. Ich setzte mich dazu zwar weiterhin nicht mitten auf vielbelebte Plätze. In San Francisco stillte ich aber zum Beispiel am Stadtstrand und in Parks. Ich wurde dabei nie angesprochen und ich bemerkte auch keine komischen Blicke. Ein kleines bisschen unwohl habe ich mich dabei aber bis zum Schluss gefühlt und war froh, das Stillen auf Reise meistens ins Auto legen zu können.

Meine schönsten Stillerlebnisse

Meine schönsten Stillerlebnisse

Auch wenn ihr es nach dem Text bis hierher wahrscheinlich kaum glauben könnt: Auch einige meiner schönsten Stillerlebnisse hatte ich auf unserem Roadtrip durch die USA. Wir waren sehr viel in der Natur unterwegs und sind fast jeden Tag gewandert. Von kurzen Touren, die noch fast als Spaziergänge durchgegangen wären, bis hin zu ein paar richtig langen und herausfordernden Wanderungen war alles dabei. Das Baby saß währenddessen immer bei einem von uns auf dem Bauch in der Trage und schaute entweder gespannt, was es zu sehen gab, spielte mit einem kleinen, an der Trage befestigten Buch oder schlief einfach eine Runde.

Fast alle Touren waren so lange, dass es unterwegs Zeit zum Stillen wurde. Und diese kleinen Pausen legten wir an ein paar wirklich einmaligen Orten und Aussichtspunkten ein. Ich habe zum Beispiel auf einem Baumstamm mit Blick auf die Devils Bridge in Sedona gestillt. Ich saß während das Baby getrunken hat auf einem Felsen im Arches Nationalpark und habe die grandiose Aussicht genossen. Ich habe am Rand des Grand Canyon und bei unserer Wanderung in der Schlucht gestillt. Am Meer, in den Bergen, bei Schnee genauso wie bei Hitze: Ich könnte die Liste schöner Orte, an denen ich auf unserer Reise gestillt habe, lange fortführen.

 

Stillen beim Wandern

Beim Stillen in dieser wundervollen Natur und in oft absoluter Ruhe merke ich zum ersten Mal deutlich: Das Baby und ich – wir sind jetzt ein eingespieltes Team. Während das Stillen die erste Zeit nach der Geburt nicht immer einfach und gerade am Anfang oft richtig unangenehm und schmerzhaft war, stimmte nun einfach alles.

Wenn wir das Mini-Menschlein aus der Trage hoben und sie merkte, dass es nun etwas zu Trinken gab, strahlte sie mich an. Ihr kleines Mündchen dockte an mich an und dabei irgendwie auch ihr ganzer Körper. Wie ein kleines Äffchen klammerte sie sich an mir fest. Während sie kurz zuvor noch mit großen Augen die Welt bestaunte, kam sie jetzt zur Ruhe. Und ich genoss die kurze Zeit der Nähe und Einheit mit dem Baby. Diese hielt allerdings wirklich nur ein, zwei Minuten an, bis der größte Hunger gestillt war. Danach ließ sich unsere kleine Entdeckerin auch schnell wieder ablenken, musste kurz mal schauen, wie ein Ast im Wind flattert oder Papa im Rucksack knisterte. Nach einem Kontrollblick kam der Kopf aber ganz schnell wieder zurück, bis unsere Kleine satt war. Dann fing sie an ihre Umgebung so richtig mit den Augen zu erkunden.

Stillen in der Natur

Fazit: Stillen auf Reise

Alles in allem war das Stillen auf Reise toll. Vor allem als wir mit der Beikost angefangen haben wurde mir noch einmal bewusst, wie praktisch das Stillen ist. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass es dem Baby besondere Geborgenheit gegeben hat. Und nicht zuletzt war es auch einfach schön, so ganz entspannt zu stillen. Wer im Urlaub oder auch sonst unterwegs stillen kann, dem würde ich auf jeden Fall empfehlen das auch zu tun.

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